Autorenlesung 2018

Am 15.2. stellten sich die Kinder der Grundschule Odendorf einer ganz besonderen „Mutprobe“, bestehend aus einem Mix aus Freundschaftsgeschichten und Gruselabenteuern des Autors Stefan Gemmel. Und dieser zog alle in Bann – sowohl durch die erzählten Geschichten, als auch durch sein Talent als Entertainer, der mit vollem Körper- und Stimmeinsatz die Romanfiguren lebendig werden ließ. Dabei bewies Gemmel mit seiner Geschichte des Geistergefährten, dass Grusel auch ohne Monster funktioniert: Wenn man verhindern möchte, dass ein Tropfen aus der Nase der schlafenden Schwester auf ein Lieblingsbuch tropft, der Tropfen schließlich im Nacken des Vaters landet, so ist der entstehende Gruselfaktor kaum zu überbieten, das Gelächter der Kinder übersteigt mit Leichtigkeit Raumlautstärke. Witz trifft auf Grusel, ein Konzept, dass in dieser Altersgruppe voll aufgeht. Doch Gemmel erzählt auch vom Autorenleben, von den Schwierigkeiten, eine Geschichte zu konzipieren und stellt den Kindern unterschiedliche Versionen der gleichen Geschichte vor, die Kinder dürfen entscheiden, welches Ende das Bessere ist. „Wie kriege ich Grusel in eine Geschichte ohne Monster?“ So fragt er die Kinder, die dann auch wissen, dass man einen gruseligen Ort (Gemmel: „Geisterhöhle, Grundschule, so groß ist der Unterschied jetzt auch wieder nicht!“) und  gruselige Personen und Handlungen braucht. Die Illustration einer rotäugigen Katze wurde an die Wand projiziert, wirklich gruselig: „So sieht heute Nacht euer Alptraum aus!“, so Gemmel. 

Die Kinder der ersten beiden Schuljahre stiegen mit ihm voller Erwartung in ein imaginäres Flugzeug ein und flogen in einem großen Louping zu einer Schule nach Afrika. Die hat Gemmel selbst gegründet und bannte die Kinder nun mit kleinen Ankedoten von Kindern, die z.B. mit einen Kaugummi spielten, weil sie noch nie einen im Mund hatten oder wie sie ihn voller Freude empfingen. 

Nach einer weiteren Loupingreise zurück in der Schule angekommen gab es eine lustige Geschichte von einem Hamster Lutz, dem Frettchen Sonett und dem Siebenschläfer Schnarchibald aus dem Erstleserbuch „Bim, die Zauselmaus“. Besonders witzig wurde die Erzählung, weil Herr Gemmel genauso sprach wie das Frettchen Sonett - ihr Name ist hier Programm: sie spricht immer in Reimwörtern oder Gemmel konnte ebensoschön lispeln wie der Hamster Lutz. Alle hatten viel Spaß und warteten begierig, um ein Autogramm zu ergattern.

Die Autorenlesung konnte durch einen Elternbeitrag, aber auch durch die Unterstützung des Fördervereins der Schule am Zehnthof finanziert werden. Ziel einer solchen Autorenlesung ist es, die Lust am Lesen bei Kindern dauerhaft zu verankern – ein Ziel, das auch Stefan Gemmel mit großer Begeisterung verfolgte: Die gesamte Lesung entpuppte sich als echte „One-Man-Show“ mit einem schieren Feuerwerk aus witzigen Geschichten, die mit erstaunlicher Mimik und Gestik sowie verstellter Stimme vorgetragen wurden und den Kindern eindrucksvoll bewies, wie viel Leben zwischen zwei Buchdeckeln stecken kann.

Schließlich hatten dann alle Odendorfer Grundschulkinder ihre Schule als Geisterhöhle erleben dürfen und verließen die Autorenlesung ein bisschen mutiger, schlauer und vor allem sehr fröhlich, natürlich nicht ohne die obligatorische Autogrammkarte als Trophäe mit nach Hause nehmen zu dürfen.